Johann Hermann Schein (1587–1630), gebürtig aus dem Erzgebirge, war Musiklehrer in Weißenfels, Hofkapellmeister in Weimar und von 1616 bis zu seinem Tode Thomaskantor in Leipzig. Er hinterließ viele mehrstimmige Gesänge weltlicher und geistlicher Art, u. a. das fünfstimmige Venus Kränzlein oder Neue weltliche Lieder von 1609, die 26 fünfstimmigen Madrigale des Israelsbrünnlein von 1623, die Opella nova. Geistlichen Concerten mit 3, 4 und 5 Stimmen auf jetzo gebräuchliche italienische Invention von 1618 und 1623. Der Titel des letzteren Werks verrät sein Anliegen: die Vermittlung der damals weit fortgeschrittenen Musik Italiens. Er belebte damit nicht nur die evangelische Kirchenmusik, sondern auch die gesellige Musik für das im Frühkapitalismus aufstrebende gebildete Bürgertum der Städte, insbesondere der freien Reichsstädte. Diese Musik habe für „beides, christlicher Andacht bei Verrichtung des Gottesdienstes und auch ziemlicher (geziemender) Ergötzlichkeit bei ehrlichen Zusammenkünften alternis vicibus (abwechselnd) zu dienen“, heißt es im Vorwort zu einem seiner Werke.
In den geistlichen Madrigalen des Fontana d’Israel – Israelis Brünnlein liegt das künstlerisch bedeutsamste Ergebnis der Übernahme des italienischen Madrigalstils durch J. H. Schein vor: an die Stelle des Strophenliedes tritt die durchkomponierte Form mit genauer Ausdeutung des Textes. 23 dieser „auf eine sonderbar Anmutige Italian Madrigalische Manier“ (Widmungsvorrede) komponierte „Krafft-Sprüchlein“ sind dem Alten Testament entnommen (elf davon sind Psalmentexte), ein Text der Offenbarung des Johannes, daneben stehen zwei freie, möglicherweise von ihm selbst geschriebene „madrigalische“ Verstexte.
Die Bedeutung dieser Komposition beruht auf dem eigenartigen Verschmelzen der „madrigalischen Manier“ mit den überkommenen Stilprinzipien der heimischen Motettentradition. Diese ist auch in den Ausführungshinweisen des Komponisten zu bemerken, wenn er außer der modernen Wiedergabe durch Singstimmen und einem Generalbaßinstrument auch die überlieferte vokal-instrumentale Mischbesetzung dem ausführenden Kapellmeister anheimstellt. Der Aufgabe einer leidenschaftlich-predigthaften Interpretation des Bibelwortes dienen alle souverän beherrschten musikalischen Mittel: Die monodische (mit Akkordbegleitung einstimmige Melodieführung) Prägung des Einzelworts, die polyphone (mehrstimmige) oder konzerthaft aufgelockerte Imitationstechnik (genaue Wiederholung eines musikalischen Themas in anderer Tonlage), akkordische Verdichtung wesentlicher Aussagen, Taktwechsel und nicht zuletzt das von Schein besonders virtuos gehandhabte gleichzeitige Durchführen zweier Kontrastthemen.

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