Plakat Konzert Juni 1996

Nicht allen, die E.T.A. Hoffmann (1776–1828) als Dichter und Erfinder skurriler und fantastischer Märchen und Gestalten kennen und schätzen, wird bekannt sein, daß der Poet die meiste Zeit seines kurzen Lebens als Beamter des preußischen Gerichts tätig war. In Königsberg (Pr.) geboren, studierte er nach dem Willen der Familie zwar Jura, widmete sich jedoch lieber dem Studium der schönen Künste, wobei ihm lange Zeit nicht klar war, ob er nun zum Musiker, Dichter oder Maler geboren war. Als Referendar beim Gericht in Posen (damals preußisch) erregte er einen Skandal, als er hohe Beamte durch allzu gut gelungene Karikaturen verspottete. Seine Strafversetzung in eine verlassene polnische Kleinstadt (Plock) nutzte er weiter zu fleißigen autodidaktischen Studien. Seine Vorliebe galt vor allem W.A. Mozart (zu dessen Ehren er seinen dritten Taufnamen Wilhelm in Amadeus umbenannte), aber auch den alten, ehrwürdigen Kirchenwerken, die er in katholischen Kirchen hörte und die den nüchtern erzogenen, evangelischen Preußen zu großer Mystik inspirierten. Der „hohe, einfache Stil Palestrinas, der wahrhaft würdige Ausdruck des von der inbrünstigen Andacht entzündeten Gemüts“ (so in seinem Aufsatz Alte und neue Kirchenmusik) begeisterte ihn ebenso, wie ihm die Gesetze des Kontrapunkts, wie sie ihm beim „tiefsinnigen Sebastian Bach“ erschienen (wenngleich er nur sehr wenig Werke Bachs kannte) „ein geheimes Grauen“ einflößten. So war für E.T.A. Hoffmann eine Fuge nicht nur Status-Symbol eines soliden Handwerkers, sondern Spiegel einer Art Zaubersprache, die der Hörer nur staunend wahrnimmt, deren Bedeutung und Grammatik er aber nicht durchschaut. In seinen Serapionsbrüdern vergleicht er jene Zaubersprache des Kontrapunktes mit den „kühnen Windungen, fantastischen Zieraten eines gotischen Münsters“ .„...diese Unruhe regt ein, das Unbekannte, das Wunderbare ahnendes Gefühl auf und der Geist überläßt sich willig dem Traume, in dem er das Überirdische, das Unendliche zu erkennen glaubt “.
Als Hoffmanns Verbannung beendet war, blieben ihm drei glückliche Jahre in Warschau (bis zum Einzug der Franzosen) angefüllt mit Konzerten (Hoffmann dirigierte u.a. auch eigene Werke), Kompositionen und allen Freuden einer blühenden Kulturmetropole. Hier entstand auch seine Messe in d-moll, deren Aufführung er jedoch nicht erlebte. Nach zwei Jahren bitterster Not in Berlin übernahm E.T.A.Hoffmann die Stelle eines Theaterkapellmeisters in Bamberg. Doch nur ein Jahr war ihm in dieser Stellung vergönnt, danach versuchte er sich als Dekorateur, Privatmusiklehrer und begann 1809 mit einen Artikel in der Leipziger Allgemeinen Musikalischen Zeitung mit seiner schriftstellerischen Tätigkeit. Seit seiner Übersiedlung nach Berlin (1814) arbeitete er hauptberuflich wieder als Jurist, „nebenbei“ entstand sein umfangreiches dichterisches Oeuvre. Hoffmanns Kompositionen stammen somit aus einem Zeitraum von nur 13 Jahren: ein Miserere eine Messe, zehn Opern, Melodrame oder Singspiele, viele Schauspielmusiken, Kammermusik, Klaviersonaten. Chorwerke, Lieder und eine Symphonie.
Winfried Radeke

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