Hanns Eisler 1932 in einem Pionierlager in der Sowjetunion

Hanns Eisler geb. 1898 Leipzig, gest. 1962 Berlin; sein Vater war Privatdozent für Philosophie, seine Mutter setzte es durch, als Frau ohne Abitur an der Universität Vorlesungen zu hören. Sein Bruder Gerhard war Funktionär in der Kommunistischen Internationale, seine Schwester Ruth Fischer Mitte der 20er Jahre in der Führung der KPD; nach ihrem Ausschluß wurde sie entschiedene Antikommunistin.
Eisler wuchs in Wien auf, war dort 1919 bis 1923 Schüler von Arnold Schönberg, neben der Komposition von Kammer- und Klaviermusik Leiter von Arbeiterchören. 1925 Übersiedlung nach Berlin und engagiert in der kommunistischen Arbeiterbewegung (Lehrtätigkeit in der Marxistischen Arbeiterschule, Arbeit mit der Agitprop-Truppe Das rote Sprachrohr, gemeinsame Auftritte mit Ernst Busch, Artikel für die Rote Fahne), ab 1929 Zusammenarbeit mit Bertolt Brecht, Musik zu dessen Lehrstücken Die Maßnahme, Die Mutter, Massenlieder wie Der Rote Wedding, Solidaritätslied (aus dem Film Kuhle Wampe), Einheitsfrontlied.
Ab 1933 Emigration in verschiedene Länder, neben der Deutschen Sinfonie entstanden in dieser Zeit Gegen den Krieg und die Neun Kammerkantaten für Gesang und vier Instrumente nach Texten von Ignazio Silone und Bertolt Brecht. Ab 1938 in den USA, Lehrtätigkeit und Komposition von Filmmusiken, als bedeutendste Vierzehn Arten den Regen zu beschreiben von Joris Ivens, und Gelegenheitswerken wie Woodberry-Liederbüchlein für Schul-Mädchenchor.
1947 wurde Eisler vor den Kongreßsausschuß zur Untersuchung über unamerikanische Tätigkeit zitiert. Sein Selbstverständnis als Künstler spiegelt recht gut eine Äußerung im Verhör über seine sog. Kampfmusik wieder: “Lieder können den Faschismus nicht vernichten, aber sie sind notwendig.”
Um der Ausweisung zuvorzukommen, ging Eisler 1948 nach Wien und 1950 nach Ost-Berlin, Kompositionslehrer an der Hochschule der Künste, Neue Deutsche Volkslieder von Johannes R. Becher (darin die Nationalhymne der DDR, wegen der er im Westen verfemt wurde), Kantaten, Bühnen- und Filmmusiken, Lieder. Nach dem 1953 politisch gescheiterten Opernprojekt Johann Faustus zunehmende Desillusionierung und – besonders nach Brechts Tod 1956 – Isolation. Letztes Werk: Ernste Gesänge.
Günther Matthes
 Mehr zu Hanns Eisler bei der Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft

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