Mikis Theodorakis geb. 1925 auf Chios. Früh bereits populäre Liedkompositionen. Während des Studiums am Konservatorium in Athen im Widerstand gegen die deutsche Besetzung. Im griechischen Bürgerkrieg (1946–1949) von 1947 bis 1948 interniert. Fortsetzung der Studien Anfang der 50er Jahre in Paris, Schüler von Olivier Messiaen. 1960 Rückkehr nach Griechenland, Parlamentsmandat für die Vereinigte Linke, dabei führend in der Lambrakis-Jugendorganisation. Während des Obristenregimes (1967–1974) von 1967 bis 1970 erneut inhaftiert, sein gesamtes Werk verboten. 1989 Kandidatur als Unabhängiger für die konservative Neue Demokratie als Zeichen für die Versöhnung des seit dem Bürgerkrieg im Innern zerrissenen Landes.
Komposition von Oratorien, Sinfonien, Kammermusik. Schauspiel- und Filmmusik: Antigone nach Sophokles, Die Geisel nach Brendan Behan, Die Ballade vom toten Bruder nach eigenem Text, Alexis Zorbas, Z. Liederzyklen nach Texten zeitgenössischer griechischer und anderer Dichter sowie eigenen: Romiossini (“Griechentum”) von Jannis Ritsos, Mauthausen von Jakovos Kambanellis, Áxion Ésti von Odysseas Elytis, Liturgie. Den Kindern getötet in Kriegen von Tasos Livathitis, Lieder für Andreas auf eigenen Text, Canto General von Pablo Neruda, die große Popularität erlangten, so wurde Me tósa fílla aus Romiossini eine Art Hymne der griechischen Linken. Neben Strömungen der internationalen zeitgenössischen Musik verarbeitet Theodorakis alle Stilrichtungen der griechischen Musik von alten byzantinischen Hymnen bis zum Rembetiko der Halbwelt.
Befremdlich ist ein heftiger antisemitische Ausfall des Komponisten von Mauthausen vom Herbst 2003, den er hinterher nur als Kritik an der Regierung Sharon verstanden wissen wollte: “Beide Völker (die Juden und die Griechen, d.V.) sind bruderlos. Sie (die Juden) aber sind fanatisch und setzen sich durch. Heute kann man sagen, daß dies kleine Volk sich an der Wurzel des Bösen, nicht des Guten befindet.” (taz vom 14.11.2003)
Günther Matthes
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