| Ein Psalmlied. Für den Sabbattag. Gut ists, dem Ewigen zu huldigen Zu singen deinem Namen, Höchster. Zu künden morgens deine Liebe Und deine Treue in den Nächten Auf Zehnsait und auf Harfe Zum Klingen auf der Zither. Denn du erfreutest, Ewiger, mich durch dein Tun Und ob der Werke deiner Hände juble ich. Wie groß sind deine Werke, Ewiger Sehr tief dein Planen! Der leere Mann, er merkt es nicht Der Tor begreift dies nicht: Wenn Böse sprossen wie das Gras Auf blühen alle Übeltäter Daß sie getilgt für ewig werden! Du aber ewiglich erhaben, Ewiger! |
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| Psalm 92,19 Aus dem Hebräischen von Naftali Herz Tur-Sinai |
| Im Juli 1828, in der Zeit, als Schubert an seiner Messe in Es-Dur arbeitete, vertonte er die ersten neun Verse des 92. Psalm in hebräischer Sprache für Bariton-Solo und gemischten Chor. Auftraggeber war der aus Vorarlberg stammende Oberkantor Salomon Sulzer (18041890) von der Wiener jüdischen Gemeinde. Sulzer, der für seine Baritonstimme berühmt war, sang auch bei der ersten Aufführung im Sommer 1828 die Solopartie. |
| Vor allem aber war Sulzer ein Reformator der Synagogenmusik. In der Folge der durch Aufklärung und Französischer Revolution eingeleiteten bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden (sog. Judenemanzipation) gab es auch von jüdischer Seite das Bestreben, aus der jahrhundertelang erzwungenen Ghettosituation auszubrechen, sich dem gesellschaftlichen Umfeld anzugleichen und das Jüdisch-Sein im Sinne einer Konfession ähnlich einer christlichen aufzufassen. Ein Bestandteil dieser Bestrebungen war, die Musik in der Synagoge in dem es traditionell nur den Sologesang des Kantors gab der christlichen Kirchenmusik durch Verwendung der Orgel und des mehrstimmigen Chorgesangs anzupassen. Diesem Ziel wollte Sulzer mit der Neufassung der kultischen Musik in seinen Sammelbänden Schir Zion I und II dienen. Damit schuf er für die Judenheit eine Sammlung gottesdienstlicher Musik vergleichbar den Kantatenjahrgängen von Johann Sebastian Bach. |
| Für den ersten Band hatte er eine Reihe christlicher Komponisten zur Mitarbeit eingeladen, u.a. auch Franz Schubert. Dieser war entsprechend seiner undogmatischen Religiosität wie sie sich u.a. in seinen Briefen und Notizbüchern darstellt offensichtlich auch frei von antijudaistischen Vorurteilen, wie sie zu seiner Zeit durchaus gang und gäbe waren. |
| In seinen eigenen Kompositionen versuchte Sulzer drei Komponenten zu vereinigen: traditionell jüdische Elemente, europäische Mehrstimmigkeit und nahezu reine Dur-Moll-Tonalität. Leider haben sich Sulzers Kompositionen nur in der Auswahl und Bearbeitung seines Sohnes erhalten. |