Herrgott schritt im Garten Eden
Kniend ließ ihn Adam reden. 
Als sie standen an dem Orte
Sprach der Herr wohl strenge Worte:
Alle Früchte dürft ihr essen
Einen Baum müßt ihr vergessen. 
Mittendrin im Himmelsgarten
Blühend blau in Farben zarten. 
Satan machte sich zur Schlange
Adam, Eva wird es bange. 
Früchte pflückte er gar kräftig
Reichte sie der Eva heftig. 
Eva nahm von dem Begehrten
Teilte es mit dem Gefährten. 
Koste, Adam, und genieße
Äpfel, Früchte, honigsüße. 
Lange sollten sie nicht warten
Fort hieß es vom Himmelsgarten. 
Harken werde ich euch geben
Baut im Weinberg eure Reben. 
Fortan sollt ihr graben, pflügen
Euch mit hartem Brot begnügen.
Und bevor sie Brot genossen
Arg viel Tränen sind geflossen.
„Sündenfall“
nach Worten der Volkspoesie
deutsch von Jaroslav Konsal
Das Angenehme dieser Welt, hab’ ich genossen
Der Jugend Freuden sind, wie lang, wie lang, verflossen
April und Mai und Junius sind ferne
Ich bin nichts mehr, ich lebe nicht mehr gerne.
Friedrich Hölderlin
Sag, Tod, daß weggerafft mein Schatz
Gesteh’ es doch, war deine Untat.
Jetzt holst du auch nach mir aus, nie satt.
Willst sehen, wie ich kreidebleich
Ihm folge in dein Schattenreich?
Mädchen mein, das ich erfleht, o Tod?
Menschen und Herzen zwei sind gleich.
Und tröstlich, wer in deinen Bann trat
Zermalt wird er nun durch dein Mühlrad.
Dem Leben gib den letzten Streich, o Tod..
François Villon

Der Name Gideon Kleins ist erst in den letzten Jahren ins Bewußtsein der Musikwelt getreten. Klein gehörte mit vielen anderen tschechischen Juden zu den inhaftierten des Lagers Theresienstadt. Andere – heute wieder bekannte Komponisten in Theresienstadt – waren Viktor Ullmann, Pavel Haas und Hans Krasa.
Diese Komponisten hatten ein doppeltes Schicksal zu erleiden. Zum einen wurden sie alle noch bis 1945 ermordet und zum andern wurde ihre Musik, obwohl vor den Nazis gerettet über vier Jahrzehnte totgeschwiegen. Gideon Klein, ein wahrhaft begnadeter und bis zu seiner Deportation nach Theresienstadt auch gefeierter Pianist konnte nur etwa 15 Werke hinterlassen, die aber samt und sonders von hohem Rang sind. Die beiden in Theresienstadt 1942 und 1943 geschriebenen Madrigale Das Angenehme dieser Welt und Sag Tod behandeln auf sehr unterschiedliche Weise den Tod. Wir wissen nicht, ob in diesen Texten die katastrophalen Lebensbedingungen in Theresienstadt wiederklingen, denn Hölderlins Text: „... ich lebe nicht mehr gerne„ ist immerhin die Sprache eines Greises, der 40 Jahre quasi dahinvegetiert hat und lebensmüde ist. Möglicherweise spiegeln sie aber auch den Versuch wieder, Lyrik, Literatur, überhaupt geistiges Gut als letztes Menschliches zu bewahren, als letzte menschliche Identifikation inmitten von Gewalt und Unmenschlichkeit. – Wir wissen nicht, ob die Madrigale je in Theresienstadt erklangen, oder ob sie wegen ihrer (zumindest für Laienchor) exorbitanten Schwierigkeit eventuell mit Solo-Quintett gesungen wurden. Ihre weitausladende, an Alban Berg erinnernde Expressivität und das jähe Umbrechen in schmerzliche Trivialität (Schluß des Madrigals Das Angenehme dieser Welt) weisen Gideon Klein als exzellenten Komponisten und individuellen Tonschöpfer aus. 
Das Chorstück Sündenfall ist ursprünglich für Männerchor (mit Bariton-Solo) geschrieben. Ich habe es für gemischten Chor transponiert und bearbeitet. Anders als in den beiden Madrigalen bemüht sich G.Klein hier um eine „volkstümliche Moderne„. Eingängige Melodiebildungen, eine kontrollierte, aber doch recht farbige Harmonie lassen das Stück eher für Laienchöre erscheinen, als die verzwickten Madrigale.
Es ist ein oft geäußerter Satz, doch muß er auch hier wiederholt werden: Die Komponisten Theresienstadts, Ullmann, Krasa, Haas und Gideon Klein zwingen uns, die Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts neu zu schreiben.
Winfried Radeke

 Für die Wiederbelebung der Werke der von den Nazis ermordeten jüdischen
 Komponisten arbeitet der Verein musica reanimata.


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