Am 1. Januar 1898 wurde Viktor Ullmann in Teschen (Schlesien) geboren. Seine Kindheit und Jugend blieben bislang unerhellt, da darüber keinerlei Dokumente mehr vorhanden sind. Bekannt ist, daß er für fast ein Jahr von Oktober 1918 bis Mai 1919 Arnold Schönbergs Seminar für Komposition in Wien besuchte. Dort studierte er eine anspruchsvolle Konstellation von Fächern, bei Schönberg Formenlehre, Kontrapunkt und Orchestrierung, bei Josef Polnauer Harmonielehre, zusätzlich Kontrapunkt bei Heinrich Jalowetz, Klavier bei Eduard Steiermann. Ullmann war ein ausgezeichneter Pianist, wenn auch ohne Ambitionen auf eine Solistenkarriere.
Bald nach Ende des ersten Weltkrieges hat Ullmann die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft angenommen. 1919 übersiedelte er nach Prag. Durch Empfehlung Schönbergs wurde Ullmann 1920 Assistent von dessen Lehrer und Schwager Alexander von Zemlinsky in Prag. Zemlinsky war dort musikalischer Leiter des Neuen Deutschen Theaters. Bis 1927 arbeitete Ullmann mit ihm zusammen. Er leitete Proben, hatte aber auch wiederholt den Chefdirigenten am Pult zu vertreten. Ab 1927 leitete Ullmann als Chefdirigent das Theater in Aussig, einer kleinen Stadt in Nordböhmen. Vor allem jedoch trat er als Komponist an die Öffentlichkeit. 1923 wurden in einem Konzert des Literarisch-Künstlerischen Vereins erstmals sieben Lieder für Sopran und Klavier uraufgeführt. Es folgten zahlreiche Kompositionen für Kammerbesetzungen und auch Orchester, die aber, wie auch vier Opern und andere Orchesterwerke, weitgehend verloren gegangen sind.
Nach seinem Weggang aus Aussig im Jahre 1928 setzte Ullmann über Jahre mit dem Komponieren aus. Er schrieb für den Auftakt und gab Privatstunden. 1931 übersiedelte er nach Stuttgart, um dort in einem Buchladen der anthroposophischen Gesellschaft tätig zu werden. Seit längerer Zeit schon hatte er den Wunsch, der Anthroposophischen Bewegung direkt zu helfen. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten in Deutschland im Januar 1933 wurde der Buchladen geschlossen. Nach seiner Rückkehr nach Prag wirkte er nun als Musikpädagoge, arbeitete für die Musikabteilung des Tschechoslowakischen Rundfunks, schrieb Buch- und Partiturrezensionen.
Im Frühjahr 1939 wurde Prag von deutschen Truppen besetzt. Ullmann hatte sich schon zuvor über Freunde um verschiedene Emigrationsmöglichkeiten bemüht, vergeblich, er blieb in Prag. Seine jüngeren Kinder Johann und Felicia wollte Ullmann vor dem Zugriff des NS-Terrors retten. Er schickte sie mit einem der letzten Transporte jüdischer Kinder, die von den Nationalsozialisten noch geduldet wurden, über Skandinavien nach England. Beide Kinder fanden den Weg dorthin, konnten aber die Trennung von ihren Eltern psychisch nicht bewältigen. Sie leben seitdem in psychiatrischen Anstalten.
Am 8. September 1942 kam Ullmann zusammen mit seiner Frau Elisabeth nach Theresienstadt. Seine künstlerische Schaffenskraft blieb dort offensichtlich weitgehend unbeeinträchtigt; seine Arbeit wurde durch die 55 gefördert. er komponierte, allerdings unter kaum vorstellbaren Umständen in Theresienstadt 24 Werke (in zwei Jahren) ein mehrfaches der früheren Zeit.
Der Kaiser von Atlantis oder Die Tod-Verweigerung entstand nach der gleichnamigen Legende des Mithäftlings Peter Kien für ein im Lager gegründetes Kammermusikensemble mit einer ungewöhnlichen Besetzung wie Banjo (Gitarre), Saxophon und Harmonium. Unter dem Dirigenten Rafael Schächter und dem Regisseur Meinhard wurde die Aufführung vorbereitet. Nach der Generalprobe ordnete die SS ein Verbot der Aufführung an. Bereits zuvor hatte die Zensur in die Arbeit Ullmanns eingegriffen, was an den Strichen in der Orginalpartitur zu sehen ist. Nur auf besondere Umstände ist zurückzuführen, daß die Orginalpartitur des Kaiser von Atlantis gerettet wurde. Ullmann gab noch kurz vor seiner Deportation nach Auschwitz alle im Lager entstandenen Kompositionen seinem Mithäftling Utitz, der sie bis Kriegsende behielt. Nach 1945 bewahrte Ullmanns Freund H. G. Adler die Kompositionen auf und nahm in den siebziger Jahren mit Kerry Woodward Kontakt auf, der dann den Kaiser von Atlantis nicht nur bearbeitete, sondern auch zur Uraufführung brachte.
Im Herbst 1944 verstärkte die NS-Regierung die Massenvernichtung der Juden. Viktor Ullmann wurde mit seiner Frau mit einem Massentransport nach Auschwitz gebracht. Zwei Tage später wurden sie dort in den Gaskammern ermordet. [Ein Schicksal, das Ullmann mit einem der anderen Theresienstädter Komponisten, Gideon Klein, teilte.]
Gunter Irmler
im Programmheft der Neuköllner Oper zu “Der Kaiser von Atlantis”

Für die Wiederbelebung der Werke der von den Nazis ermordeten jüdischen Komponisten arbeitet der Verein musica reanimata. Die Wiederaufführung der Oper Der Kaiser von Atlantis gehöhrt u.a. dazu.

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