| In der Zeit der Renaissance bildeten sich seit 1560 die romanischen Liedformen heraus, die weit über ihr Entstehungsgebiet nach Norden ausstrahlten. Hauptformen sind: |
| |
Villanellen (Bauern- oder Dorfliedlein): heitere, meist dreistimmige, einfach gesetzte Tanzlieder |
| |
Canzonetten : frische, rhythmische, abwechselnd heitere oder besinnliche, mehrstimmige Gesänge, Satz verhältnismäßig schlicht |
| |
Balletti : Tanzlieder, weniger textlich als leicht-musikalisch bestimmt, stammen aus der Instrumentalmusik des 16. Jh. |
| |
Madrigale : in dieser Epoche gekennzeichnet durch harmonische, ausdrucksbetonte, tonmalerische (madrigalistische) Wendungen. |
| Den Typus Balletto als Tanzlied mit Refrain auf die Silben Fa-la-la-la prägte Giovanni Gastoldi (ca.15501622) mit den Stücken seiner Sammlung Balletti a 5 voci per cantare, sonare & ballare (Tanzlieder zu 5 Stimmen zum Singen, [instrumental] Spielen und Tanzen) gedruckt 1591 in Venedig. In dieser Sammlung trägt jede Nummer einen Titel: z.B. Caccia dAmore (Liebesjagd), Speme dAmorosa (Liebevolle Hoffnung), L Ardito (Der Kühne), Il Contento (Der Zufriedene), Il Martellato (Der Geplagte) usw. Daraus ist zu schließen, daß diese Lieder als Begleitung zu pantomimischen Tänzen gesungen wurden (was auch der Titel der Sammlung nahelegt), wie sie zur Karnevalszeit als Maskentänze in Italien beliebt waren. |
| Die Balletti... sind dem Herzog Vincenzo Gonzaga von Mantua gewidmet, an dessen Hofe Monteverdis berühmten Madrigale und Opern entstanden. Ihr Erfolg belegen die zehn Auflagen bis 1613 (die erste deutsche 1600 in Nürnberg). |
Gastoldis bedeutendste Nachahmer waren in Italien Orazio Vecchi und Claudio Monteverdi, in England Thomas Morley sowie Johann Staden, Hans Leo Haßler und Johann Hermann Schein in Deutschland. Hier wurde der Balletto L Innamorata (Die Verliebte), 1598 mit einem geistlichen Text unterlegt, zum Choral In dir ist Freude. Mit Peter Cornelius deutscher Textfassung An hellen Tagen blieb allerdings der ursprüngliche Balletto bis heute ein Hit des weltlichen Chorgesangs. Anders als Hans Leo Haßlers Canzonetta Mein Gmüt ist mir verwirret, das macht ein Jungfrau zart, die heute nur noch als der Choral
O Haupt voll Blut und Wunden, voll Schmerz und voller Hohn bekannt ist. |
| Günther Matthes |