| Peter Cornelius, (18241874) ein Neffe des Malers mit demselben Namen schreibt in seiner Frühzeit vor allem Lieder, in der Mitte seines Lebens Bühnenwerke (Der Barbier von Bagdad, Weimar 1858; Der Cid, Weimar 1865), in seiner Spätzeit wieder Lieder und Chöre. Wie das mit der Tatsache zusammenhängt, daß sein Leben tief geprägt ist vom Einfluß durch Richard Wagner, ist nicht leicht zu sagen. Einerseits ist Cornelius, wie er 1861 selbst schreibt, ganz und gar ein Neudeutscher: Nur und nur im Drama, im Wagnerschen Musikdrama ist unser Heil. Andererseits betont er: Heil mir, ich bin ein freier Mann! und: Ein Höriger schreibt keinen Cid
So klingt denn auch seine Musik ganz anders als die seiner verehrten Vorbilder Berlioz, Liszt und Wagner. Das aber ist nur eine Sache des Tons, des Personalstils; die zu Grunde liegende Musikauffassung ist dort und hier dieselbe. Text und Musik sind auch hier, wo der Komponist zugleich ein Dichter ist, keineswegs gleichberechtigt und musikalisch kongruent, nein, hier hat die Musik eindeutig den Vorrang, jedenfalls den höheren Anspruch:
meine Lieder und Duette zu fremden Dichtungen
ich sang sie bei Freunden
sie wurden gern gehört. Nur meine Verse bleiben die stillen Gebete im Kämmerlein, und niemals dacht ich an den Dichterkomponisten. Der Ton herrschte das Wort war da, aber es duckte sich. Für den 1854 entstandenen Zyklus (nach eigenen Gedichten, op. 3) Trauer und Trost gilt dies ebenso wie für den der sechs Brautlieder (185658), wie überhaupt für Cornelius Liedschaffen und also auch für die neun Vater unser-Lieder (op. 2, 1854/55) mit gregorianischen Weisen und für die Weihnachtslieder (op. 8, 1856), in deren bekanntestem Die Könige der Choral Wie schön leuchtet der Morgenstern herrlich herrschaftlich eingearbeitet ist. Die Weihnachtslieder, Cornelius populärstes Werk, sind nach Dichtung und Musik Meisterwerke, einzigartig in ihrer Stimmung und bis heute durch keine andere weihnachtliche Hausmusik ersetzt (Engel 1952). |