Plakat Konzert November 2004

Nachdem Johannes Brahms bei der Bewerbung um die Leitung der Philharmonischen Konzerte in seiner Heimatstadt Hamburg übergangen wurde, siedelte er dauerhaft nach Wien über, als er 1863 zum Leiter der dortigen Singakademie berufen wurde. Als Mitglied einer Kommission des österreichischen Unterrichtsministeriums, die über die Vergabe von Stipendien zu entscheiden hatte, war er Anfang der 80er Jahre von der eingesandte Sinfonie des unbekannten tschechischen Komponisten Antonín Dvořák so beeindruckt, daß er ihn von da an nach Kräften förderte.
Die Kompositionsbegabung des jungen hervorragenden Pianisten Brahms war knapp 30 Jahre früher von keinem geringeren als Robert Schumann entdeckt worden, als dieser ihn 1853 in Düsseldorf besuchte. „ist hier ein junger Mann erschienen, der uns mit seiner wunderbaren Musik auf das allertiefste ergriffen
hat …“ schrieb Schumann an seine Verleger Breitkopf und Härtel, worauf noch der enthusiastische Artikel „Neue Bahnen“ über den jungen Komponisten in der von Schumann herausgegebenen Neuen Zeitschrift für Musik, gezeichnet mit R. S., folgte.
Während Brahms mit Dvořák im persönlichen Kontakt eher distanziert blieb, entwickelte sich zwischen Schumann und ihm eine enge Freundschaft. Aber auch Schumanns Frau Clara – eine der bedeutensten Pianistin ihrer Zeit (die auch selbst komponierte) – fand Gefallen an dem Zwanzigjährigen, der sich seinerseits in die 14 Jahre ältere aufs heftigste verliebte.
Nach Schumanns Selbstmordversuch 1854 und dem darauf folgenden Aufenthalt in der Psychiatrie bis zu dessen Tod 1856 kümmerte sich der junge Brahms auf das rührenste um den Kranken und die Kinder der Familie während der Abwesenheit der Mutter, er wurde zum Mitglied der Familie. Mit Clara Schumann und dem Geiger Joseph Joachim (einen lebenslangen Freund von Brahms) ging es auf gemeinsame Konzertreise.
Warum Brahms sich nach Schumanns Tod 1856 von Clara zurückzog, bleibt ein Geheimnis, wie vieles im Verhältnis der beiden zueinander. Tatsache ist, daß sie bis zu Claras Tod im Mai 1896 befreundet blieben. Brahms selbst starb elf Monate später, er ist unverheiratet geblieben.
Die Anregung zur Komposition der Liebesliederwalzer kam anscheinend aus dem Kreis der Schülerinnen des mit Brahms befreundeten Sängers Julius Stockhausen, die jungen Damen wollten Brahmsche Walzer zum Singen haben. Die erste Aufführung der im August 1869 komponierten Stücke erfolgte ein halbes Jahr später von einem Gesangsquartett, am Klavier begleitet vom Komponisten und Clara Schumann. Fünf Jahre später folgten die Neuen Liebesliederwalzer.
Bis auf das im letzten Stück vertont Goethegedicht liegen den Texten russische und polnische Volkslieder zugrunde, übersetzt und in Form gebracht von dem heute vergessenen Dichter Georg Friedrich Daumer.
Ende der 80er Jahre machte ein Wiener Kaufmann Brahms auf Texte aufmerksam, die das Kindermädchen der Familie aus dem Ungarischen übersetzt hat und von ihm in Reime gefaßt wurden. Auf sie komponierte Brahms 1888 und 1981 die beiden Folgen der Zigeunerlieder.

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