Plakat Konzert Juni 2006

„Die Musik, mit der ich mich beschäftige, muß nicht unbedingt Musik genannt werden. In ihr gibt es nichts, woran man sich erinnern soll. Keine Themen, nur Aktivität von Ton und Stille.“ – mit diesen Worten charakterisierte John Cage (∗ 1912 Los Angeles, † 1992 New York) recht treffend sein musikalisches Werk. U.a. neben Joseph Beuys gilt er als einer der wichtigsten Anreger und Verteter der Kunstrichtung Fluxus (lat. das Fließende) – „Es geht um in das Leben einwirkende Produktionsprozesse und nicht um die Abschottung der Kunst vor dem Leben.“ – „Das Leben ist ein Kunstwerk, und das Kunstwerk ist Leben.“
Cage studierte zunächst Literatur, ging 1930 nach Europa und unternahm erste Versuche im Malen und Komponieren. Zurückgekehrt nach Amerika, begann er sein Kompositionsstudium bei Arnold Schönberg. 1938 zog Cage nach Seattle und baute sein erstes Schlagzeugensemble auf. Kurze Zeit später entstand als Begleitung für eine Choreographie seine erste Komposition für das von ihm erfundene Präparierte Klavier, auf dessen Saiten und Hämmern er Radiergummis, Nägel und andere kleine Teile montierte, die dem Klavier eine besondere Klangfarbe verleihen.
Story für Sprechquartett ist der zweite Satz der 1940 entstandenen Living Room Music. Der erste und der letzte Satz sind mit beliebigen Objekten des Haushalts zu spielen, wie Büchsen, einem Tisch, Büchern, dem Fußboden oder Architekturelementen wie Fensterrahmen. Der dritte Satz ist eine Melodie, die mit jedem passenden Instrument gespielt werden kann – oder auch nicht.
Seit 2001 wird in der Burchardikirche in Halberstadt das Werk Organ2/ASLSP (As Slow[ly] and Soft[ly] as Possible) aufgeführt; es soll bis zum 4. September 2640 dauern – näheres unter: www.john-cage.halberstadt.de
Péchés de vieilles – „Alterssünden“ nannte Gioacchino Rossini (∗ 1792 Pesaro als Sohn eines Hornisten und einer Theatersängerin, † 1868 Passy bei Paris) seine kleineren, oft humorvollen Kompositionen, teilweise Bearbeitungen früherer Opernnummern. Sie waren für Aufführungen im exclusiven Kreis des Salons bestimmt, nachdem er sich bereits 1829 mit gerade 37 Jahren auf dem Höhepunkt seines Erfolgs als Opernkomponist, den er mit seinem Guillaume Tell erreichte, vom rastlosen und aufreibenden Musikbetrieb zurückgezogen hatte. Mit fast vierzig Opern, komponiert in etwas mehr als zwanzig Jahren, war Rossini zum bedeutensten Neuerer der dramatischen Musik und zum unbestrittenen Meister der opera buffa, der komischen Oper geworden. Gegen den Vorwurf von Zeitgenossen (vor allem Wagners), Rossinis Opernlibretti wären nur belanglose Folien für effektvolle Musikpräsentation verteidigte ihn der Philosoph Arthur Schopenhauer: „Wenn also die Musik zu sehr sich den Worten anzuschließen und nach den Begebenheiten zu modeln versucht so ist sie bemüht, eine Sprache zu reden, welche nicht die ihre ist. Von diesem Fehler hat keiner sich so rein gehalten wie Rossini: daher spricht seine Musik so deutlich und rein ihre eigene Sprache, daß sie der Worte gar nicht bedarf…“

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