Plakat Konzert november 2008

Müller, Müllerin, Mühle und Bach waren am Ende des 18. Jh. beliebte Motive in der Unterhaltungskultur. 1793 wurde in Berlin das Singspiel Die schöne Müllerin nach der italienischen Oper La Molinara von Giovanni Païsiello uraufgeführt. Selbst Goethe faßte den Plan einer Müllerin-Operette. Über Bach- und Mühlenidylle hinaus galt der Müllerbursche als Symbolfigur für Freiheit und Ungebundenheit; unstet folgt er dem Bach in die Welt hinaus. Das Scheitern seiner Liebe zu der schönen Müllerin ist deren Absage an einen Menschen, dessen Ungebundenheit nicht die bürgerlichen Normen erfüllt, wie es der Jäger mit ganz anderer gesellschaftlicher Reputation tut, den die Müllerin sich erwählt.
Der Dichter Wilhelm Müller (1794–1827) durfte als Student die Rolle des Müllerburschen im Rahmen einer privaten Gesellschaft spielen. Daraus entstand ein Singspiel, zu dem er fünf Gedichte beisteuerte. Auf Anregung von Ludwig Thick baute er sie zu einem Zyklus von 25 Gedichten aus – einschließlich ironisch gebrochenem Prolog und Epilog – und nahm ihn in seine Sieben und siebzig Gedichte aus den hinterlassenen Gedichten eines reisenden Waldhornisten auf. In dieser Form lernte Franz Schubert die Texte kennen und vertonte sie Oktober/ November 1823 in seinem Zyklus Die schöne Müllerin; den Prolog und Epilog sowie drei weitere Gedichte ließ er dabei weg. Von Februar bis August 1824 erschien dann der Zyklus in fünf Heften. Auch der Text zu Schuberts anderem Zyklus, der Winterreise, stammt aus Müllers Gedichtsammlung.
Der Bearbeitung des Liederzyklus' für gemischten Chor a cappella zu vier Stimmen von Carlo Marenco liegen die Stimmen der Klavierbegleitung zugrunde.
Das Allegro in a-moll für Klavier zu vier Händen entstand im Mai 1828, ein halbes Jahr vor Schuberts Tod; 1840 wurde es erstmals veröffentlicht, der Titel Lebensstürme stammt vom Verleger (berühmtestes Beispiel für solcherart Marketing ist die sog. Mondscheinsonate von Beethoven).
Schuberts Instrumentalwerke wurden im Gegensatz zu vielen seiner Lieder zumeist erst nach seinem Tode veröffentlicht. Robert Schumann beispielsweise entdeckte bei seiner Reise nach Wien 1838 das Manuskript der ‚großen‘ Sinfonie in C-Dur bei Schuberts Bruder Ferdinand. Mendelssohn brachte das Werk dann 1839 im Gewandhaus Leipzig zur Uraufführung.
Zu den populärsten Zeugnissen romantischer deutscher Gesangskultur gehören zweifellos Felix Mendelssohn Bartholdys Lieder für gemischten Chor. Scheinbar war der von seinem Vater Abraham, dem mittleren Sohn des jüdischen Philosophen – und Freund Lessings – Moses Mendelssohn beschrittene Weg der Assimilierung erfolgreich. Das „Entréebillet in die deutsche Gesellschaft“ (Heinrich Heine) war die Taufe, der Namenszusatz „Bartholdy“ sollte die Distanzierung vom „Glauben der Väter“ bekräftigen. Assimilierung, kulturelle und wissenschaftliche Leistungen oder bürgerliches Engagement wurden jedoch von der Mehrheitsgesellschaft nur bedingt anerkannt. Weitgehend vergessen ist beispielsweise der jüdische Berliner Kaufmann James Simon (1851–1932), vielleicht der bedeutendste private Mäzen für die berliner Museen; ohne sein Engagement wäre u.a. nie die Büste der Nofretete nach Berlin gekommen.
Ende der 80er Jahre des 19. Jh. machte ein Wiener Kaufmann Johannes Brahms auf Texte ungarischer Volkslieder aufmerksam, die das Kindermädchen der Familie ins Deutsche übersetzt hatte und von ihm in Reime gefaßt wurden. Auf sie komponierte Brahms 1888 und 1981 die beiden Folgen der Zigeunerlieder.

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