Vom Himmel hoch

Vom Himmel hoch, …

o Engel kommt. Und mit ihnen ein klitzekleiner Ausschnitt der mannigfaltigen gen europäischen Weihnachtslieder, kaum größer als eine Feder. Aus Frankreich, England, Irland, Katalonien und Deutschland bringen die Sendboten altbekannte Melodien in neuem Gewand. Dazu Motetten von Andreas Hammerschmidt, einem sächsischen Barockkomponisten, einzureihen zwischen Heinrich Schütz und Bach, dessen Werke als allgemein leicht fasslich und eingängig galten. Diese Beurteilung brachte ihm bei seinen Kollegen sowohl Wertschätzung als auch Ablehnung ein. Trotz allem – oder gerade deswegen? – erfreute sich Hammerschmidt einer wirtschaftlich gut gesicherten Existenz und allgemeiner Anerkennung in der Stadt Zittau, die auf seinem Grabmal verewigen ließ:

Es schweiget zwar allhier des edlen Schwanes Thon,
Doch klingt er wunderschön vor seines Gottes Thron.
Mors mea Vita mea est.
Des Edlen Schwanes Thon hat nun hier aufgehöret,
Weil Er vor Gottes Thron der Engel Chor vermehret.

Andreas Hammerschmidt
Musicus Celeberrimus vixit Annos 64.
In officio 41. Denatus Ao: 1675 d. 29. Oct.

Der Deutschen Ehre, Ruhm und Zier,
Amphion ruht und schläft allhier.
Ach! Orpheus wird nicht mehr gehört
den Zittau vorhin hat geehrt.

Sandra Gallrein

Vom Himmel hoch…

Andreas Hammerschmidt / Machet die Tore weit

Ko Matsushite / Nun komm der Heiden Heiland
Ria Vanwing / Ein Kind georn zu Bethlehem
John Hoybye / Vom HImmel hoch
Reijko Kekkonen / Lobt Gott ihr Christen alle gleich

Mauro Giuliani / Duo für Flöte und Gitarre

Andreas Hammerschmidt / Meine Seele erhebt den Herren

Carlo Domeniconi / Sonata Mexicana
Heitor Villa Lobos / Bachianas Brasilieras
Jaques Ibert / Ent’acte

Xavier Sans / Der Dezember kalt und grau (El desembre congelat)
Francois-Auguste Gevaert / Entre le boeuf
Francois-Auguste Gevaert / Les anges dans nos campagnes

Andreas Hammerschmidt / Freude, Freude, große Freude

Georg Phillip Telemann / Partita II in G-Dur

John Hoybye / God rest you, merry gentleman
Carsten Borkowski / Unto us a child is born
Christoph Schönherr / Christmas in the old mans hat
Martin Carbow / O Tannenbaum

Unsinn, auch Widersinn, ist ein von Sinn und Logik gelöster oder grob falscher Sachverhalt – bisweilen absichtlich scherzhaft. Eine Handlung oder eine Aussage kann als Unsinn bewertet werden: ‘Mach keinen Unsinn!’ oder: ‘Rede keinen Unsinn!’ Dies kann eine Warnung, eine Abwertung, oder ein rhetorisches Argument darstellen.

Soweit das Lexikon. Viel Stoff zum Nachdenken. Dass die Bewertung von Handlungen und Aussagen schnell auf falsche Fährten führen kann – sofern man nicht gewillt ist, sich auf den Standpunkt des vermeintlichen Narren oder Kindskopfes zu stellen – ist eine Erkenntnis, die immer wieder gegen den Konformismus- und Logikwahn unserer Zeit durchgesetzt werden muss.

Unsinn ist Sand im Getriebe, ist Widersinn und notwendiger Widerstand – UnSinnsPoesie das literarische Spiel mit dem vermeintlich Unverständlichen und Harmlosen. Ist es nicht immer der Narr, der von den Herrschenden am meisten gefürchtet und geschätzt wird (wenn sie klug sind), da er die Wahrheit spricht?

Die vermeintlich naive und verspielte UnSinnsLiteratur eines Ringelnatz oder Morgenstern bedarf eines zweiten und dritten Blicks hinter die Fassade um das „Spiel – und Ernst-Zeug’‘ zu dechiffrieren.

Das Deutschland des 20. Jahrhunderts hatte solche ‘Narren’ sicher bitter nötig, auch wenn es Mühe kostete, gelesen und gehört zu werden. Ernst Jandl, in der konkreten Poesie und experimentellen Lyrik verortet und somit radikaler und offensichtlicher in seinen Ausdrucksmitteln, erntete 1957 mit seinen Sprechgedichten, darunter das berühmte ‘schtzngrmm’ einen Entrüstungssturm. Die Lyrik des damals noch als Deutschlehrer Arbeitenden galt als kulturelle Provokation sondergleichen, und man fürchtete um die Unverderbtheit der Jugend. Heinz Erhardt, der in seinen Filmen meist den ‘typischen’ Deutschen aus der Zeit des Wirtschaftswunders verkörperte und weitaus gefälliger in seiner Dichtung scheint, kreist in dabei äußerst subtiler Weise um existentielle Themen wie Vergeblichkeit und Vergänglichkeit.

Wilhelm Busch, vielen lediglich als Autor leicht gruseliger Kinderbücher bekannt, nutzt den vermeintlich gefälligen Scherz, um mit scharfer Zunge und ungeschöntem Blick kleinbürgerliches Mittelmaß und Bigotterie vorzuführen. Allein die anonymen Texte zu den Scherzliedern Adriano Banchieris aus dem 17. Jahrhundert scheinen frei von all der Hintersinnigkeit und Gesellschaftskritik, oder etwa nicht?

Werte Zuhörer,
ihr werdet jetzt vier sch.ne Humoristen hören: Ein Hund, eine Katze, ein Kuckuck und eine Eule improvisieren zum Spaß einen Kontrapunkt über einen Bass:

Fa, la, la Bau, bau!
Traue nicht den Buckligen Miao, miao!
und auch nicht den Lahmen: Chiù, chiù!
wenn aber dieser Scherz gelungen ist, Cocù, cocù!
so schreib einen neuen. Fa, la, la
(Contrapunto bestiale)

Unsinn? Unsinn!

Ernst Jandl / Minas Borbudaki: Vorsagesatz
Ernst Jandl / Minas Borbudaki: Mmmmmmoral

Wilhelm Busch / Manfred Schlenker: Die Selbstkritik hat viel für sich
Wilhelm Busch / Manfred Schlenker: Wirklich, er war unentbehrlich
Wilhelm Busch / Manfred Schlenker: Es flog einmal ein muntres Fliegel
Wilhelm Busch / Manfred Schlenker: Die Liebe war nicht geringe
Wilhelm Busch / Manfred Schlenker: Es sitzt ein Vogel auf dem Leim

Ernst Jandl / Matthias E. Becker: Eile mit Feile

Ernst Jandl / Herwig Reiter: Wanderung im Frühlingsbeginn

Christian Morgenstern / E. Bergmann: Tapetenblume
Christian Morgenstern / E. Bergmann: Unter Zeiten

Anonymos / Adriano Banchieri: Capricciata a tre voci
Anonymos / Adriano Banchieri: Contrapunto bestiale alla mente
Anonymos / Adriano Banchieri: Mascherata d’Amati

Joachim Ringelnatz / Thomas Erler: Die Ameisen
Joachim Ringelnatz / Thomas Erler: Kniehang
Joachim Ringelnatz / Thomas Erler: Im Park

Joachim Ringelnatz / Herwig Reiter: Pinguine

Heinz Erhardt / Michael Schmoll: Die Made
Heinz Erhardt / Michael Schmoll: Die Fliege
Heinz Erhardt / Michael Schmoll: Singe, wem Gesang gegeben

Venedig / H. Grunwald: Der Hahn von Onkel Giacometo